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Warum du deine Preise auf der Website zeigen solltest (oder auch nicht)

Solltest du deine Preise auf der Website zeigen? Diese Frage taucht in fast jedem Gespräch mit Dienstleistern auf. Und die Antworten könnten unterschiedlicher nicht sein. Die einen schwören auf Transparenz: „Wer nichts zu verbergen hat, zeigt seine Preise.“ Die anderen halten dagegen: „Preise auf der Website? Dann werde ich doch nur noch verglichen.“

Beide Seiten haben Argumente. Beide haben auch recht. Und genau das macht die Entscheidung so schwer. Denn am Ende gibt es kein allgemeingültiges „richtig“ oder „falsch“. Es gibt nur: Was passt zu dir? Zu deiner Arbeitsweise? Zu den Menschen, mit denen du arbeiten möchtest?

Die Krux der falschen Frage
Das eigentliche Problem liegt nicht in der Frage „Preise ja oder nein?“ – sondern darin, dass sie oft aus der falschen Motivation heraus gestellt wird. Aus Unsicherheit. Aus dem Gefühl, etwas falsch zu machen. Aus dem Impuls heraus, es allen recht machen zu wollen.

Manche Dienstleister zeigen keine Preise, weil sie Angst haben, zu teuer zu wirken. Andere zeigen sie nicht, weil sie glauben, dass individuelle Beratung wichtiger ist. Wieder andere zeigen sie, weil sie gelesen haben, dass Transparenz vertrauensbildend sei. Oder sie zeigen sie nicht, weil ein Kollege gesagt hat, dass man sich damit unter Wert verkauft.

Aber all das sind fremde Stimmen. Nicht deine.
Die Frage ist nicht, was „man“ macht. Die Frage ist: Was brauchst du, um gut arbeiten zu können? Und was brauchen die Menschen, mit denen du arbeiten möchtest, um eine fundierte Entscheidung zu treffen?

Wann Preise auf die Website gehören
Es gibt gute Gründe, Preise zu zeigen. Nicht aus Zwang. Sondern aus Klarheit.

Wenn du eine Vorauswahl treffen willst
Preise auf der Website sind ein Filter. Sie sorgen dafür, dass Menschen, deren Budget nicht zu deinem Angebot passt, gar nicht erst anfragen. Das spart Zeit. Deine und ihre. Und es verhindert frustrierende Gespräche, in denen am Ende nur die Zahl im Raum steht – nicht der Wert.

Wer deine Preise sieht und trotzdem Kontakt aufnimmt, kommt vorbereitet. Mit der Bereitschaft, zu investieren. Mit dem Verständnis, dass Qualität ihren Preis hat. Das verändert die Dynamik des ersten Gesprächs komplett.

Wenn deine Leistungen klar definiert sind
Wenn du Pakete anbietest, wenn deine Leistungen standardisiert sind, wenn es einen festen Rahmen gibt – dann können Preise Orientierung geben. Sie zeigen, was möglich ist. Sie machen vergleichbar, was vergleichbar sein soll. Und sie nehmen die Unsicherheit, die viele Menschen davon abhält, überhaupt nachzufragen.

Transparenz schafft Vertrauen. Nicht weil du die günstigste Option bist, sondern weil du zeigst: Ich stehe zu meiner Arbeit. Ich kommuniziere klar. Ich verstecke mich nicht hinter „Das kommt darauf an.“

Wenn du sichtbar machen willst, wofür du stehst
Preise sind auch ein Statement. Sie sagen etwas darüber aus, wie du dich positionierst. Ob du im Premium-Segment arbeitest. Ob du zugänglich sein möchtest. Ob du eine bestimmte Zielgruppe ansprechen willst.

Wer seine Preise zeigt, macht sich angreifbar. Aber auch sichtbar. Für die Richtigen.

Wann Preise besser wegbleiben
Und dann gibt es die anderen Fälle. Die, in denen Preise mehr verwirren als klären.

Wenn jedes Projekt individuell ist
Wenn keine zwei Aufträge gleich aussehen, wenn der Umfang stark variiert, wenn es davon abhängt, wie tief du einsteigen musst – dann können Pauschalpreise irreführend sein. Ein „ab X Euro“ sagt wenig aus, wenn die Spanne von 3.000 bis 30.000 Euro reicht.

In solchen Fällen braucht es das Gespräch. Das Verstehen, worum es wirklich geht. Die Möglichkeit, Fragen zu stellen, bevor du eine Zahl nennst. Preise auf der Website würden eher Verwirrung stiften – oder unrealistische Erwartungen wecken.

Wenn du den Menschen erst kennenlernen möchtest
Manche Dienstleister arbeiten so eng mit ihren Kunden zusammen, dass die Chemie entscheidend ist. Wenn du zu denen gehörst, wenn das Vertrauensverhältnis wichtiger ist als die Leistungsbeschreibung, dann ist der erste Kontakt kein Verkaufsgespräch – sondern ein Kennenlernen.

Preise wegzulassen bedeutet in diesem Fall nicht, dich zu verstecken. Es bedeutet, Raum zu schaffen. Für ein Gespräch, das mehr ist als „Was kostet das?“

Wenn du bewusst hochpreisig arbeitest
Im Premium-Segment funktionieren Preise anders. Wer für 50.000 Euro ein Projekt umsetzt, wird selten über die Website angefragt. Die Entscheidung fällt auf einer anderen Ebene. Über Empfehlungen. Über Vertrauen. Über das, was du bereits geleistet hast.

Hier können Preise auf der Website sogar abschreckend wirken – nicht weil sie zu hoch sind, sondern weil sie suggerieren, dass es um die Zahl geht. Dabei geht es um die Transformation. Um das Ergebnis. Um den Wert, der entsteht.

Der Weg entsteht beim Gehen
Die Entscheidung, ob du Preise zeigst oder nicht, ist keine, die du einmal triffst und dann für immer beibehältst. Sie darf sich entwickeln. Mit deiner Positionierung. Mit deiner Arbeitsweise. Mit den Menschen, die du anziehst.

Vielleicht startest du ohne Preise – und merkst nach einer Weile, dass die Anfragen zu unspezifisch sind. Vielleicht zeigst du Preise – und stellst fest, dass sie mehr Fragen aufwerfen als beantworten. Beides ist ein Lernprozess.

Am Ende geht es nicht darum, die perfekte Lösung zu finden. Es geht darum, eine Entscheidung zu treffen, die zu dir passt. Die sich stimmig anfühlt. Die nicht aus Angst geboren ist, sondern aus Klarheit.

Preise zeigen oder weglassen – beides kann richtig sein. Entscheidend ist, dass du es aus den richtigen Gründen tust. Für dich. Nicht für „man“.